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AV - Straight Whatever?



Besuch auf dem Arabergestüt von Bekannten.

  • Der Besuch:"Arabische Pferde züchtet ihr?"
  • Die wenig verständliche Antwort:"Nein, das sind doch 'Straight Egyptians'!"

- hierauf könnte zusätzlich ein entrüsteter Blick folgen und vielleicht eine gnädige Aufklärung aus dem Kreise der Erlauchten -

aber wir möchten es ja verständlich machen. Wenn man die Deckanzeigen der Vollblutaraber in einer Zeitschrift überfliegt, tauchen alle möglichen Klassifizierungen in oben genanntem Stil auf: "XY, rein polnisch gezogener Rapphengst deckt Ihre Stute" - "rein russische Linien" - "spanischer Araberhengst" - "Golden-Cross-Hengst".... die Liste ist lang und unglaublich kreativ. Aber wer weiß wirklich etwas damit anzufangen?

Vollblutaraber bleibt Vollblutaraber © by midwestarabian.com

 

Fakt ist: Alle Vollblutaraber unterstehen einer übergeordneten Organisation, der WAHO (World Arabian Horse Organization) - alle mit demselben Ziel, die Reinzucht der arabischen Rasse zu fördern und zu erhalten. Anders jedoch als bei den meisten anderen Rassen wird das Arabische Vollblutpferd wie kein anderes überall auf der Welt gezüchtet, und das schon sehr früh. Dadurch lassen sich einzelne Linien/Zuchtrichtungen verfolgen - meist im Zusammenhang mit best. Gestüten bzw. Ländern. Die so entstandenen Klassifizierungen wären beispielsweise (in beliebiger Reihenfolge)

  • Straight Egyptian
  • Rein Russisch
  • Rein Polnisch
  • Spanish
  • Crabbet
  • Weil-Marbacher
  • Asil

Hinsichtlich der Gestüte spielten natürlicherweise die Staatsgestüte eine große Rolle:

  • El Zahraa (ÄGYPTEN)
  • Tersk (RUSSLAND)
  • Michalow / Janow Podlaski (POLEN)
  • Jeréz de la Frontera (SPANIEN)
  • Bábolna (UNGARN s. auch ShA)

Weitere Linienrichtungen stammen aus Privat- oder halböffentlichen Gestüten:

  • Gestüt Crabbet Park (ENGLAND)
  • ehem. Königliches Privatgestüt Weil, später HuLG Marbach (DEUTSCHLAND)

Last but not least der Asil-Araber - der die kleinste Gruppe der Vollblutaraber weltweit ausmacht - und sich unter dem Schutz des Asil Clubs auf das Ursprungsgebiet des Arabers als Zuchtort beruft. Per definitionem:

"Ein Asil-Araber ist ein Pferd, dessen Abstammung ausschließlich auf die Beduinenzucht der arabischen Halbinsel zurückgeht, und bei dem zu keiner Zeit nicht arabische Pferde eingekreuzt worden sind. Asil heißt rein, echt, edel, unverfälscht. Der Asil-Araber soll die Reiteigenschaften und Typmerkmale aufweisen, die den Wüstenaraber auszeichnen."

[entnommen aus: "Arabische Pferde", Susanne Spottke, Müller Rüschlikon]

Der Asil Club ist eine Organisation, die sich international dem Erhalt dieses "Originalarabers" (O.A.) widmet.

Durch diese enorme Vielfalt haben sich durch äußere Einflüsse und Selektion in der Zucht versch. Kriterien und Philosophien herausgebildet - während beispielsweise ein relativ kleiner Genpool wie der des Asil Clubs gefährlich nah an der Inzucht ist, tendieren andere Gruppierungen dazu, sich zu weit vom Zuchtziel zu entfernen. Trendwenden haben bewirkt, dass man heutzutage zunehmend von Ägyptern, Spaniern, Russen oder Polen redet - die anderen Linien sind in den Hintergrund getreten. 

Als Kompromiss seien da noch die so genannten "Outcross-Anpaarungen" unter oben genannten erwähnt - populär besonders die Anpaarung Ägypter x Spanier, der sogenannte "Golden Cross" die häufigste Variante - bekanntes wie erfolgreiches Beispiel einer derartigen Anpaarung wäre El Shaklan (s. Pedigree).

Aber es gibt auch "gewagtere" Anpaarungen, eine davon wurde sogar wegen ihres Erfolges 5x wiederholt: Kubinec x Om el Sanadiva - Russe x Golden Cross, erfolgreichster Sohn: FS Bengali.

Heißt das jetzt, dass es keinen einheitlichen Araber mehr gibt? Nein, das auch nicht. Aber die Tendenzen dazu sind unglücklicherweise da - und besonders in Amerika. Die Anfang der 80er Jahre boomende Araberszene hat ganz andere Maßstäbe gesetzt - in einem Interview von AWW sagt Judith Forbis dazu: "[...] [Es waren Amerikaner, die] das traditionelle arabische Pferd in Typ und Gebäude oftmals 'umgezüchtet' haben. Es wurde zu viel Wert auf einen besonders langen Hals gelegt, wobei Harmonie, Gebäudestruktuer und der Typ vernachlässigt wurden" so die erfahrene Züchterin. Missstände hinsichtlich der Zuchtschauen tragen ihrer Meinung nach ebenso dazu bei: "Die US-Schauen bieten Klassen für Vollblutaraber und Partbreds [zusammen an].[Es dominieren die Halbblüter.] In der Konsequenz ist das Auge allzu vieler Richter auf diesen Typ geschult, was sich auf ihre Beurteilung bei den Vollblutarabern auwirkt.[...]"

Die Sache mit den Halblütern © by http://slawik.com

Es gibt inzwischen also amerikanische Linien - wobei die meisten das ursprüngliche Zuchtziel aufgrund von Trends oder persönlichen Vorlieben verfehlen, beispielsweise ist ein arab. Vollblüter aus Amerika meist rasseuntypisch groß im Stockmaß.

Fest steht: Man sollte diese Bezeichnungen nicht allzu ernst nehmen!

"[...]Innerhalb der Vollblutaraberzüchter [bildeten sich] Gruppierungen [...], die allein schon durch die sprachlichen Ausdrucksformen nicht gerade überzeugend wirken konnten, aber auf viele Anfänger Eindruck machten. So kamen die Begriffe "rein russische", "rein polnische", "rein ägyptische", "rein spanische" Vollblutaraber auf, um nur einige Beispiele zu nennen."

[entnommen aus "Arabischer Adel: sehen-erkennen-werten", Otto Saenger, Olms Presse]

Denn das wichtigste wird dabei doch häufig übersehen: Es handelt sich immer noch um Arabische Pferde - und das sollen sie auch bleiben.

15.4.07 13:02
 


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